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werkstatt deutschland. |
Gründungserklärung: Über gemeinsames und zupackendes Handeln von Ost und West wird viel geredet; konkrete Taten scheitern meist daran, daß die organisierten Interessen über das Gemeinwohl obsiegen. Solidarität kommt nicht mehr aus dem Herzen der Bürger, sondern muß per Dekret von oben verordnet werden. Menschlichkeit und Anteilnahme sind als Reizwörter aus der Alltagsspra-che gestrichen worden. Ignoranz und Egoismus scheinen neue deutsche Kardinaltugenden zu sein. Die Westdeutschen verschanzen sich in ihren Trutzburgen des Konsums und behandeln die Ostdeutschen wie vergessene Verwandte, die man zwangsweise einquartieren muß. Nach wenigen Tagen der Wiedersehensfreude wirdder Besuch als lästig und zu kostspielig empfunden. Die Ostdeutschen fordern sofortige materielle Wiedergutmachung für ihr vierzigjähriges Schicksal als die wirklich bestraften Verlierer des Zweiten Weltkrieges und fühlen sich von den Westdeutschen weniger verstanden denn je. Auf der Bonner Bühne hat das Stück "Abschied vom politischen Handeln und Gestalten" mit viel verbaler Begleitmusik Dauerpremiere. Teile der Parteien üben sich in Wahrnehmungsblockaden und Flüchten sich entweder in kleinkarierte Streitereien oder in hektischen Aktionismus, statt die große historische Aufgabe mit Mut zu meistern. Die Medien finden mehr Gefallen an spektakulären Enthüllungen als an einer objektiven Berichterstattung über die Einheit. Die "Intelligenz", deren Ideen heute nötig wären, ist in ratloses Schweigen oder trotzigen Zynismus verfallen und verbleibt in den Schützengräben des alten Denkens. Die Landschaften im Osten liegen noch brach statt zu blühen. Wirtschaftskapitäne und Manager ahnen, daß der Aufschwung Ost mit der Zauberformel "Investitionen=Arbeitsplätze" jedenfalls kurzfristig nicht zu bewerkstelligen ist. Auch ein anderer Irrtum wird offensicht-lich. Mit einer einfachen Übertragung des westlichen Lebens-, Verwaltungs- und Wirtschaftsmodells sind die Probleme jenseits der Elbe nicht in den Griff zu bekommen. Deutschland befindet sich in einer tiefen Sinn-, Anpassungs- und Orientierungskrise. Das Land hat seine neue Identität noch nicht gefunden, tut sich mit seiner inneren und äußeren Rolle noch sichtlich schwer. Das geeinte Deutschland empfindet sich weiterhin als das künstliche Produkt des Verhandlungstisches, ist in sich gespalten und zweigeteilt und flüchtet sich in schwarzseherischen Zweckpessimismus. Deswegen lautet das Gebot der Stunde: Handeln für
Deutschland. Bürger aus Ost und West nehmen ihr Schicksal endlich
verantwortungsvoll in ihre Hände, begreifen die Einheit als Herausforderung,
als Bewährungsprobe vor der Geschichte und verwenden ihre Energie
darauf, daß aus Deutschland ein liebenswertes, menschliches, tolerantes
und verläßliches Gemeinwesen im Herzen Europas wird. Die Mahnung
von Altbundeskanzler Helmut Schmidt wird Verpflichtung: "Wir sind
nicht abhängige Klienten oder Kunden unseres Staates oder unserer
Politiker, sondern wir, die Bürger, sind der Souverän. Von uns
hängt unsere Zukunft ab. Wenn wir uns zu tatkräftiger Solidarität
mit uns selbst aufraffen, dann wird uns das Werk der Vereinigung gelingen."
Die Aktivitäten des Vereins sind vielfältig: Symposien zu zeitgeschichtlichen und philosophischen Fragen, Fachtagungen mit konkretem Sachthemenbezug, regional-handlungsorientierte Projekte vor Ort wechseln einander ab. Gleichzeitig will der Verein konkrete Vernetzungshilfe vor Ort in den neuen Bundesländern leisten. Dort laufen viele Aktivitäten auf kommunaler und regionaler Ebene unkoordiniert; es fehlt eine Stätte des Erfahrungs- und Inrormationsaustausches. Der Verein wird ein Zeichen für Bürgersinn und Gemeinwohl setzen. Die Gestaltung der deutschen Einheit ist zur Herausforderung für alle geworden. Der Verein finanziert seine Arbeit ausschließlich durch Spenden.
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